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Vom Problem zur Lösung: Wie Technologietransfer Unternehmen ins Machen bringt

Beim Innovationsgipfel des saarländischen Wirtschaftsministeriums wurde deutlich, wie aus Forschung, Technologie und unternehmerischen Herausforderungen konkrete Lösungen entstehen können. Fünf Praxisbeispiele zeigten, was erfolgreicher Technologietransfer leisten kann. Das House of Transfer unterstützt Unternehmen dabei, diesen Weg zu gehen.

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Wie kommt eine gute Technologie tatsächlich in ein Unternehmen? Und wie wird aus einer konkreten Herausforderung ein marktfähiges Produkt oder ein effizienterer Prozess? Neben dem Themenfeld Luft- und Raumfahrt beschäftigte sich der diesjährige Innovationsgipfel mit diesen Fragen. Dazu brachte das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie am 10. September Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Innovation zusammen.

Wirtschafts- und Innovationsminister Jürgen Barke betonte die Bedeutung eines funktionierenden Transfers: „Wir wollen Forschung und Innovation noch stärker in konkrete Wertschöpfung übersetzen.“ Genau darum ging es bei der neuen Insight Session des Innovationsgipfels: Fünf Praxisbeispiele machten sichtbar, wie Unternehmen gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und Technologiepartnern neue Lösungen entwickeln und umsetzen.

Fünf Beispiele, fünf Wege des Technologietransfers

Eine Referentin steht vor der eingeblendeten Agenda der Insight Session Technologietransfer mit Impact.
Die Insight Session stellte fünf Wege des Technologietransfers vor.© saaris

Digitale Werkzeuge, die KMU wirklich brauchen

Tobias Kiefer von der Abat+ GmbH und Holger Müller von Meta Level stellten ihr Projekt „Baseline 4SME“ vor, das im Rahmen des Zentralen Technologieprogramms Saar gefördert wird. Ausgangspunkt war die Frage, wie kleinere Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt werden können. Denn viele KMU arbeiten noch mit nicht digitalen oder sehr individuellen Prozessen. Klassische Softwarelösungen sind für sie häufig zu umfangreich oder passen nicht zu ihren Anforderungen. Die Projektpartner entwickelten deshalb eine Art App Store für KMU. Unternehmen können dort genau die digitalen Anwendungen auswählen, die sie benötigen. Dazu gehören beispielsweise ein KI-gestütztes Tool für Kalkulationen und Angebotserstellung, eine mobile Baustellendokumentation oder Anwendungen für das Wissensmanagement. Der Ansatz: keine komplizierte Standardlösung, sondern digitale Werkzeuge, die unmittelbar im betrieblichen Alltag eingesetzt werden können. Die Plattform fungiert dabei sowohl für Anwender als auch für Entwickler als zentraler Knotenpunkt und übernimmt zentrale Fragen von der Datensicherheit und dem Hosting bis hin zu Vertragsgestaltungen und Nutzerlizenzen für Anbieter und Anwender.

Vom Bakterium zum Produkt

Ein zweites Beispiel zeigte, wie aus wissenschaftlicher Forschung ein neues Produkt entstehen kann. Andreas Keller vom HIPS und Jonas Thielmann, Geschäftsführer der Homburger Firma Dr. Theiss Naturwaren, berichteten über das Projekt „Vom Bakterium zum Produkt“. Das HIPS als Forschungspartner untersucht Bakterien und analysiert unter anderem, welche Mikroorganismen sich im menschlichen Körper wohlfühlen. Dieses Wissen bildet die Grundlage für eine Kooperation mit Dr. Theiss. Ein konkreter Anwendungsfall ist die Analyse des Mikrobioms aus Speichelproben beim Zahnarzt. Daraus entstand eine probiotische Lutschtablette, die sich im Mund auflöst und dort gezielt geeignete Bakterien sowie Biotin und Vitamin D bereitstellt. Weitere Produkte sollen folgen. Das Beispiel zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse über eine Kooperation mit einem mittelständischen Unternehmen in eine konkrete Produktentwicklung überführt werden können.

KI-Agenten für den Mittelstand

Wie Technologietransfer auch zwischen einem Start-up und einem etablierten Mittelständler funktionieren kann, zeigte die Zusammenarbeit von Mona AI und Dr. Theiss. Das Homburger Unternehmen setzt im Rahmen der Kooperation die ersten autonomen KI-Agenten im Unternehmen ein. Gemeinsam mit Mona AI wurde zunächst in einem kleinen Bereich gestartet. Inzwischen gibt es unter anderem einen Content-Agenten, einen Vertriebsagenten und einen Markt-Recherche-Agenten. Eine übergeordnete Multi-Agenten-Struktur koordiniert und kontrolliert die einzelnen Anwendungen.

Für Theiss war die Zusammenarbeit mit einem Start-up, hier in Kooperation mit Southwest X, bewusst gewählt: kurze Wege, direkter Zugang zur Technologie und die Möglichkeit, regelmäßig gemeinsam an den Anwendungen zu arbeiten. Dabei zeigte sich auch eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Innovationsprojekte: Es muss möglich sein, Fehler zu machen und Lösungen schrittweise weiterzuentwickeln. Gleichzeitig muss die Geschäftsführung hinter dem Vorhaben stehen und bereit sein, den Prozess konsequent zu unterstützen.

Energieeffizienz durch KI-Steuerung

Dass Technologietransfer auch ganz unmittelbar zu mehr Nachhaltigkeit und niedrigeren Betriebskosten führen kann, zeigte das Projekt des August-Wilhelm Scheer Instituts und der Wegener Härtetechnik. Das Unternehmen mit rund 60 Beschäftigten hatte einen Energieverbrauch von rund zehn Millionen Kilowattstunden. Gemeinsam wurde untersucht, wo Energie verbraucht wird und an welchen Stellen sich die Prozesse optimieren lassen. Im Projekt wurde der Energieverbrauch transparent gemacht und ein entsprechendes Nachhaltigkeits-Tool für Härteprozesse entwickelt. Der Verbrauch konnte bereits von rund zehn auf etwa acht Millionen Kilowattstunden reduziert werden. Das Vorhaben wurde über den InnoBonus des saarländischen Wirtschaftsministeriums unterstützt. Der entwickelte Prototyp soll nun in die betriebliche Praxis überführt und mit einer weiteren Förderung weiterentwickelt werden.

KI, die Unsicherheiten mitdenkt

Das fünfte Beispiel beschäftigte sich mit evidenzbasierter künstlicher Intelligenz und wird an der htw saar umgesetzt. Während klassische KI-Modelle häufig eine bestimmte Entscheidung oder Empfehlung ausgeben, können evidenzbasierte KI-Systeme mehrere mögliche Szenarien und unterschiedliche Einflussfaktoren berücksichtigen.

Das ist insbesondere dort interessant, wo Entscheidungen mit Unsicherheiten verbunden sind, beispielsweise bei der Produktionsplanung, wenn Ressourcen nicht sicher verfügbar sind oder bei bildgebenden Verfahren in der Diagnostik. Die Technologie eröffnet damit neue Möglichkeiten für Unternehmen und Forschungseinrichtungen, komplexe Entscheidungen besser abzubilden und unterschiedliche Handlungsoptionen zu bewerten. Weitere Praxispartner für die Umsetzung werden aktuell gesucht.

House of Transfer: Transfer as a Service

Die fünf Beispiele machen deutlich: Technologietransfer hat viele Gesichter. Er kann eine neue Softwarelösung hervorbringen, aus Forschungsergebnissen ein Produkt machen, KI in einem mittelständischen Unternehmen nutzbar machen oder Energie und Ressourcen einsparen. Gemeinsam ist den Projekten aber eines: Unternehmen benötigen den Zugang zu den richtigen Kompetenzen und Partnern.

Hier setzt das House of Transfer an. Die saaris GmbH, FITT gGmbH und Triathlon bündeln ihre Kompetenzen, um insbesondere kleine und mittlere Unternehmen beim Zugang zu Forschung, Technologie und Innovation zu unterstützen. Der Ansatz lautet „Transfer as a Service“: Unternehmen sollen von der ersten Idee beziehungsweise der konkreten Herausforderung bis zur Umsetzung begleitet werden. Das House of Transfer orchestriert die verschiedenen Akteure, identifiziert geeignete Ansprechpartner und hilft dabei, die passenden Kompetenzen zusammenzubringen.

Gerade für KMU ist eine solche niedrigschwellige und individuelle Unterstützung wichtig. Denn ihre Ausgangslagen und Herausforderungen sind sehr unterschiedlich. Gleichzeitig gibt es im Saarland zahlreiche Förderangebote und wissenschaftliche Kompetenzen, die für Unternehmen nutzbar gemacht werden können. Das House of Transfer will deshalb auch die Wissenschaft stärker für Kooperationen mit Unternehmen gewinnen und Professorinnen und Professoren dafür sensibilisieren, ihre Expertise in konkrete Transferprojekte einzubringen.

Innovation muss nicht groß anfangen

Die Beispiele des Innovationsgipfels zeigen: Innovation muss nicht mit einem millionenschweren Forschungsprojekt beginnen. Sie kann mit einer konkreten Frage aus dem betrieblichen Alltag starten.

Saarländische Unternehmen, die eine technologische Herausforderung lösen, neue Technologien einsetzen oder gemeinsam mit Forschungspartnern Innovationen entwickeln möchten, können sich an das House of Transfer wenden.

Einblicke in den Innovationsgipfel 2026

Blick von der Galerie auf die Bühne und das Publikum im Innovation Center; auf der Leinwand steht Innovationsgipfel 2026.
Der Innovationsgipfel 2026 im Innovation Center in Saarbrücken.© saaris
Teilnehmende der Insight Session sitzen in mehreren Reihen und verfolgen das Bühnenprogramm.
Austausch zwischen Wirtschaft, Forschung und Innovation.© saaris
Drei Gesprächsteilnehmer stellen vor einer Projektion ein Praxisbeispiel vor; einer spricht in ein Mikrofon.
Praxisbeispiele zeigen, wie Forschung und Unternehmen zusammenarbeiten.© saaris
Informationsstand mit Bannern von saaris und FITT, Stehtischen und einem Bildschirm.
Die Transferpartner waren auch in der begleitenden Ausstellung vertreten.© saaris
Vier Personen im moderierten Gespräch vor dem sitzenden Publikum.
Im Gespräch über die Umsetzung von Innovationsvorhaben.© saaris

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